Leserzuschrift 2015 02 08

Remseck-Woche 8.2.2015

Brücken schlagen

Die hier in Remseck praktizierte Bürgerbeteiligung hat uns beflügelt mitzudenken und eine Bürgerinitiative zu gründen. Und unser neuer OB wünscht sich den Dialog mit uns Remseckern. Spontan fanden sich mehr als hundert Mitbürger bereit, über die Workshops hinaus, Engagement zu zeigen. Wofür? Remseck hat eine so hohe Lebensqualität, wenn bloß dieser Durchgangsverkehr nicht wäre!

Unser Name ist unser Motto „Wir in Remseck“. Weder sind wir die einzige Initiative, noch die erste, also eine weitere – und gegen das Sankt-Florians-Prinzip. Mit den bereits bestehenden sind wir im lockeren Kontakt und zuversichtlich, dass er sich enger und kräftiger entwickelt. Das hängt von bestehenden und zukünftigen Gefährdungen ab.

Wir traten an, weil uns hauptsächlich das Verkehrsproblem nervt und die Emissionswerte ihre gesetzliche Begrenzung ignorieren. Das halten wir übrigens für das schwerwiegendste Problem, das alle anderen in den Schatten stellt und vorrangig gelöst werden muss. Wie fühlten wir uns doch so gut verstanden, als uns beim Besuch einiger Gemeinderatsfraktionen versichert wurde: Alle Gemeinderäte sehen das ganz genauso! Na also, unsere Politiker sind ganz nah bei uns Bürgern. Aber vor der Lösung des Problems geht leider die Einigkeit flöten: Hie Andriof, hie Billinger! Ja, die Demokratie lebt vom Wettbewerb der Ideen. Die Mehrheit des Gemeinderats steht für die Andriof-Brücke. So lauten zumindest die jüngsten Beteuerungen. Unserer Meinung nach muss dafür praktisch noch mehr getan werden. Leider ist darum so still geworden, wahrscheinlich weil unsere grün-rote Landesregierung die Andriof begraben hat. Noch steht diese Brücke im Bundeswegeplan. Der Regionalversammlung sei Dank.

Neben dem Verkehrsproblem macht sich ein andere Baustelle immer wichtiger: die Neue Mitte. Anfangs hatten wir gehofft, sie würde die Notwendigkeit der Andriof-Brücke erhöhen und deren Rang im Bundeswegeplan womöglich verbessern. Weit gefehlt! Die Neue Mitte macht nur Sinn – so die Doktrin – wenn die Westrandbrücke gebaut wird. Also sind jetzt zwei neue Neckarquerungen in der Diskussion (von den bestehenden Neckarbrücken in Neckargröningen und Hochdorf einmal abgesehen, die repariert werden sollen). Aber: „Wer gegen die Westrandbrücke ist, kippt die Neue Mitte“, so

Alt-OB Schlumberger. Weil wir uns daran gewöhnt hatten, in der Neuen Mitte keinen Nachteil für unsere Stadt zu sehen (Rathaus, Bürgersaal, Medienhaus sind wünschenswert), sehen wir uns nun gezwungen zwei Brücken wollen zu müssen, neben der „Andriof“ auch die „Westrand“. Die „Andriof“ ist aber wichtiger und würde voll genügen. Wahrscheinlich wird es nur eine von den beiden geben. Wir fürchten es wird die Westrandbrücke sein, die zwar unbestritten unwichtiger als die „Andriof“ ist, für deren Machbarkeitsstudie nun schon vom Gemeinderat Mittel bewilligt wurden. Sie wird unser Verkehrsproblem verewigen, auch wenn anfangs der Verkehr flüssiger wird. Die prognostizierte Verbesserung zieht weiteren Verkehr an.

Nicht schwarz, farbig malen wollen wir’s. Die jetzt in Angriff genommene Machbarkeitstudie erwarten wir mit Spannung. Denn bisher ist die „Westrand“ im Gegensatz zur „Andriof“ lediglich ein Wolkenkuckucksheim. Die Wahrheit ist konkret und nur über Konkretes ist ein Bürgerentscheid sinnvoll. Der ist unabdingbar, unter der „Westrand“ werden in Zukunft viele zu leiden haben.