Leserzuschrift 2015 01 29

Stuttgarter Zeitung vom 29.01.15 „Mehrheit für die Westrandbrücke steht“

Herzlichen Glückwunsch Herr Schönberger, Sie sind in der Politik angekommen.
Im Wahlkampf haben Sie sich gegen Ihren Gegenkandidaten klar abgegrenzt, dieser hatte sich ja eindeutig für eine Westrandbrücke ausgesprochen. Außerdem war Ihnen Bürgernähe sehr wichtig. Nach 100 Tagen im Amt sind die guten Vorsätze offensichtlich über Bord gegangen. Eine Westrandbrücke soll nun doch gebaut werden und die Bürger werden in dieser fundamentalen Frage der Zukunft  nicht beteiligt.
Aus dem Hintergrund stellt die graue Eminenz Balzer fest, „bei der Westrandbrücke handelt es sich um eine Maßnahme des Landes und daher darf  kein Bürgerentscheid hierzu durchgeführt werden“. Diese Aussage kann an Zynismus kaum übertroffen werden.
Es ist doch naiv zu glauben, wenn eine Westrandbrücke gebaut ist, dass dann eine zweite Brücke zur Entlastung der Remsecker-Mitte erstellt wird.
Dies ist Augenwischerei. Grüne und SPD behaupten ja, die Andriof Brücke ziehe zusätzlichen Verkehr an, dies stimmt, aber leider auch für die Westrandbrücke. Laut Bundesverkehrsminister wird das Transportaufkommen bis 2025 um ca. 80% zunehmen, dies heißt, auch dieser zusätzliche LKW-Verkehr wird durch Remseck fließen.
Zumindest sind Grüne und SPD von ihrer Billingerbrücke abgekommen. Einer Brücke, die mitten durch eine Grünzäsur, die für die Frischluftversorgung der Aldinger notwendig ist, geplant war. Jetzt unterstützen sie eine Westrandbrücke, die am Rande der Grünzäsur verläuft und in mindestens 10 Meter Höhe die Frischluft durch Feinstaub und Kohlendioxid ersetzt.
Schade, dass Freie Wähler und CDU nun auch umgefallen sind und mit dem Feigenblatt, nur wenn eine zweite Brücke gebaut wird und die Finanzierung voll beim Land liegt, stimmen sie der Westrandbrücke zu. Allein die FDP steht zu ihren Wahlaussagen und befürwortet einen Bürgerentscheid. Das lässt hoffen, dass die bügernahen Kräfte in Remseck noch nicht ganz verstummt sind.
Die Drohung des Verkehrsministers Hermann, die heutige Brücke auf drei Spuren auszubauen,  kann nicht ernst genommen werden, weil es menschenverachtend ist und die Anwohner der Remstalstraße noch mehr vergiftet als bisher. Offensichtlich müssen auch hier, wie in Stuttgart am Neckartor, schwerere Geschütze aufgefahren und das Regierungspräsidium verklagt werden.
Wer sich unter den heutigen Rahmenbedingungen für eine Westrandbrücke entscheidet, begeht ein nicht wieder gut zu machendes Verbrechen an zukünftigen Generationen.
Ich hoffe nur, dass bei den Planungen für die Westrandbrücke nicht nur technische Aspekt Berücksichtigung finden, sondern auch Fragen zur Finanzierung, Auswirkungen auf die Grünzäsur und Verkehrsbelastung auf Basis einer elektronischen Verkehrssimulation beantwortet werden, damit die unmündigen Remsecker-Bürger wenigstens sehenden Auges wissen, was auf sie zukommt.