Die Parallel-Autobahn

Leserzuschrift Waiblinger Kreiszeitung Artikel vom 21.04.2017
Was der Bau eines Nordostrings für die B29 bedeuten könnte

Die Parallel-Autobahn

„Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten“ und dann noch die Aussage von zwei kanadischen Forschern „ Je besser das Straßennetz ausgebaut ist, desto häufiger fahren die Menschen Auto“. Selten habe ich so einen Unsinn gelesen. Das heißt, Autobesitzer fahren aus lauter Lust und Tollerei und Unternehmen kaufen neue Lastwagen, weil eine neue Straße gebaut wurde. Tatsache ist, neue Straßen verteilen den bestehenden Verkehr. Wenn man den Großraum Stuttgart betrachtet, entlastet der Nordostring den Verkehr in den Gemeinden Stuttgart, Fellbach, Kornwestheim, Waiblingen, Ludwigsburg und Remseck sowie die BAB A8/A81. Wenn man die B29 mit einbezieht, entsteht hier unzweifelhaft mehr Verkehr, da die BAB A7 weniger Verkehr aufnehmen wird.

Interessant ist, dass die Gemeinden entlang der B29 froh sind, wenn der Verkehr durch den Ausbau der B29 aus den Innenstädten verschwindet, aber es ist ihnen egal, wenn der Großraum Stuttgart im Verkehr erstickt. Sogar im fernen Aalen ist OB Rentschler über eine Neckarquerung bei Remseck besorgt.

Um den Sorgen der Aalener gerecht zu werden, müsste man eigentlich den weiteren Ausbau der B29 stoppen. Dann wäre das Problem einer Parallel-Autobahn nicht existent und der Nordostring hätte nur regionalen Charakter. Was natürlich blanker Blödsinn wäre.

Mit einem Gemenge von wissenschaftlicher Inkompetenz, egozentrischer Kirchturmpolitik und Verantwortungslosigkeit verspielen wir die Zukunft unserer Kinder und Enkel. Unser Wohlstand ist keine Selbstverständlichkeit. Eine ganzheitlich funktionierende Infrastruktur ist eine wichtige Voraussetzung, um den Umbau der Automobilindustrie zum Elektrofahrzeug und die Konsequenzen aus der Rationalisierung der Industrie 4.0 zu bewältigen.

2017 04 21 WKZ Die Parallel-Autobahn

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